ISLAM UND CHRISTENTUM – UNTERSCHIEDE

29. April 2010

CHRISTENTUM UND ISLAM – UNTERSCHIEDE

António Justo
Grundhaltungen
Wenn man über Unterschiede von zwei Religionen spricht, muss man mit einer Beengtheit der Begrifflichkeit rechnen. Jede Kultur ist eine Landschaft mit entsprechendem Klima und vergleichbaren Biotopen. Der Geist, die Seele einer Kultur ist der Boden, auf dem der Lebenskampf ausgetragen wird. Wie die Knospe nach der Sonne strebt, so strebt jede Kultur nach Glück, nach Gott. Beide Bewegungen streben danach, das Leben zu erhalten. Jede Religion, jede Kultur ist wie ein Garten, wie ein Gefängnis. Wichtig ist nicht der Vergleich von Religionen untereinander, sondern das Wesen der Gärten und der Gefängnisse zu entdecken und dabei zu merken, was jenseits jeder Religion, jeder Kultur liegt.

Nicht eine Lehre wie in anderen Religionen, sondern eine Person (Jesus Christus) ist das Wesen, die Seele des Christentums. Nach dem Lehrsatz: wenn du Gott sehen willst, schau den Menschen an, und wenn du den Menschen sehen willst, schaue Gott an. Der Mensch ist der Ort der Begegnung von Gott und die Welt. Aber mit der Weisheit: „Wenn einer Gott schaute und wüsste, was er sah, hat er Gott nicht gesehen“( Dionisius Aeropagita).

Während es im Christentum eine Inkarnation Gottes in (Mensch) Jesus Christus gibt, findet man im Islam eine Inlibration Gottes in Koran (Gott wird Buch). Deswegen gibt es im Christentum eine Theologie, während es im Islam Rechtswissenschaft (Jurisprudenz) gibt, d. h. im Islam gibt es keine historisch-kritische Diskussion über Gott, sondern unumstößliche Gesetze. Im Christentum findet eine Humanisierung Gottes statt und eine Vergöttlichung des Menschen. Das Christentum anerkennt die Religionsfreiheit und das Prinzip des Laizismus, der Islam nicht.

Das Christentum drückt sich in einer Kultur der Schuld aus, der Individualität und Nächstenliebe. Der Islam drückt sich in einer Kultur des Scham aus, der Sippe und der Solidarität der Gläubigen. Das Kreuz weist nicht auf Schuld hin, sondern auf Leiden und Mitleiden. „Jesus erster Blick ist ein messianischer Blick. Er gilt zunächst nicht der Sünde der Anderen, sondern ihrem Leid. Diese messianische Leidempfindlichkeit hat nichts zu tun mit Wehleidigkeit, mit einem unfrohen Leidenskult. Sie hat aber alles zu tun mit einer biblischen Mystik der Gerechtigkeit: Gottesleidenschaft als Mitleidenschaft, als praktische Mystik der Compassion“, erklärt der Theologe Johan Baptist Metz.

Während die eine Kultur einen mehr sesshaften Charakter hat, hat die andere ein nomadischen. Eine hebt die Menschenrechte und die individuellen Rechte hervor, die andere betont die Kulturrechte und den Wert der Sippe. Deswegen ist die Diskussion um Menschenrechte eine typisch westliche, denn der Westen setzt auf das Individuum, während die arabische Kultur den Stamm über das Individuum stellt. Von daher auch die Überbetonung der Ehre, die verletzt wird, wenn Gruppenideale nicht eingehalten werden

Im Islam wie im Christentum gibt es verschiedene Richtungen, jede mit ihrer Nuance und Vielseitigkeit. Der Koran behauptet oft Gegensätzliches („Der Koran“ von Prof. Dr. Tilman Nagel, im C. H. Beck Verlag, München). Neben haarsträubenden Behauptungen im Koran (Sure 47,4; 76,5; 2,187) findet man vergessene Behauptungen vorbildlicher Toleranz bezüglich der Religion (2,256; 13,11; 8,53; 5,70; 3,114).

Die Kirche hat sich ab dem 4. Jahrhundert dem rationalistisch-wissenschaftlichen Denken verpflichtet in der Nachfolge von Aristoteles (Dualismus) und somit gab es in der Tendenz eine Abkehr vom ursprünglichen integralen Denken, das nicht rein rationalistisch war, sondern auch mystisch-intuitiv. Mit dem Aufkommen des Islam und seinem Einfluss hat sich das rein Rationalistische im Abendland noch verstärkt. Somit hat sich eine Weltsicht entwickelt, die rein dualistisch ist bzw. Mikrokosmos und Makrokosmos klaffen auseinander. Die Weiblichkeit und die Männlichkeit, die in einem zusammengefasst waren, Geist und Materie wurden getrennt. Die östliche und westliche Weltsicht, die in der christlich-jüdischen Tradition vereint waren, wurden auseinander gerissen und aufgrund dessen wurde der äußere Fortschritt vorangetrieben im Gegensatz zu anderen Kulturen.

Das Denken gelangte von einer Haltung des „nicht nur, sondern auch“ zu einem „entweder oder“. Im Letzteren hat der Verstand die totale Vorherrschaft. Das verstandesmäßige Denken bezog sich immer mehr auf das Sichtbare und das Unsichtbare, und das Emotionale wurde mehr als irrational angesehen.

Die integrale Weltsicht, die alles in sich schließt und in der Trinitätslehre ihren tiefsten Ausdruck findet, wurde vernachlässigt bzw. die Philosophie, die hinter der Trinitätslehre steht, wurde nicht mehr verstanden.

Durch die Einseitigkeit eines dogmatischen wissenschaftlichen Denkens ist es fast unmöglich, aus der Zwickmühle der Dialektik heraus zu kommen. Alles wird seziert: die Wirklichen wird zum Kadaver. Darunter leiden heute die Kirchen, die Religionen, Wissenschaften bzw. die gesamte Gesellschaft.

Der Islam fokussiert sich in einem Gedanken, das Christentum in einem Menschen.

Der Mensch

Im Islam:
Der Mensch ist als „Diener“ Gottes reiner Erdenmenschen, er ist an die schon fertige Offenbarung gebunden und an das dieser Offenbarung zugrunde liegende Menschenbild. Er wird als naturnotwendiger Teil der Gemeinschaft gesehen, an die er schicksalsmäßig gebunden ist. Es gibt keinen Platz für die Freiheit des Individuums, das nicht selbständig denken darf – weil es an die Offenbarung gebunden ist – da alles schon endgültig in Koran festgelegt wurde (es kann höchstens gedeutet werden). Der Mensch wird gebunden an die Gemeinschaft der Gläubigen und wird von einer Gruppenseele getragen. Deswegen gibt es Missverständnisse im Dialog der Kulturen, schon was die Menschenrechte anbetrifft. Der Islam geht von einem Wir aus. Der islamische Mensch wird geprägt von Fremdbestimmung, vom heteronomen Gesetz Gottes. Er schottet die eigene Kultur ab von Akkulturation und Enkulturation, er geht davon aus, dass die Welt islamisch sein muss. Das Gruppengewissen anstatt dem individuellen Gewissen wird akzentuiert! Die schöpferische Geisteskraft des Menschen wird somit verneint, indem die Erkenntnis des Übersinnlichen der abgeschlossenen Offenbarung unterordnet wird. Der Islam hat die Trennung von Kirche und Stadt nicht vollzogen und lässt keinen Platz für Atheisten.

Im Christentum:
Die Menschen sind Kinder Gottes und die Offenbarung geschieht weiter in jedem Individuum durch den Heiligen Geist in ihm und somit liegt ein schöpferisches Menschenbild zugrunde. Im Christentum gewinnt das Individuum an innerer Autonomie und freier Selbstbestimmung (Mensch als geistiges Wesen) und ist souverän in der Gruppe: es gibt eine Art von Versöhnung zwischen individueller Freiheit und brüderlicher Gemeinschaft. Die Freiheit gestaltet sich aber in der Polarität … Das Christentum definiert sich nicht über Kulturen, sondern über Personen (Individuen) im Verständnis für alle Menschen: Menschheit als Gesamtorganismus (mystischer Leib Christi). Die Liebe geht vom Individuen aus. Das Christentum ist gegen nationalistische oder kulturelle Abgrenzung des Menschen, gegen Selbstbestimmung in der Abschottung. Die Liebe ist der einzige Maßstab, das einzelne Glied zum Ganzen, die Zwänge von Kulturen oder Religionen sind zweitrangig. Die Christenheit geht von einem Ich aus. Gott kann nicht an Bedingungen oder Umständen fest gemacht werden. Die Religionen als Institutionen sprechen mehr von Bedingungen und Umständen. Hier verstoßen die Amtskirchen oft gegen das eigene Selbstverständnis.

Gottesbegriff
Im Islam:
Allah ist der All-Gott der Welt als Personifikation der All-Einheit der Substanz. Es herrscht das Prinzip der Einheit. Nur Gott ist wirklich, und Mohammed ist die Manifestation einer bedingten Wirklichkeit, die das Göttliche widerspiegelnde Manifestation, die Welt als göttliche Erscheinungsform. Mohammed stellt diese Welt dar (Wilhelm Maas). Die Gottheit wird wieder in einer alten jüdischen Vorstellung dargestellt, so dass der Determinismus der Natur und der unerbittlichen Allmacht Gottes (abstrakte Spiritualismus: Rationalität gegen Intuition) sich behaupten. Gott ist einzigartig und fern, ewig und unerkennbar. Gott hat 99 Namen bzw. „Attribute“ wie: Absolutheit, Schöpfer, barmherzig, mächtig, rachsüchtig, gerecht… Die totale Transzendenz Gottes erlaubt keine Eigenschaft wie Väterlichkeit oder Sohnschaft. Da im Islam Gott keinen Sohn hat, wird der Mensch nicht als Sohn Gottes, sondern als Diener gesehen (Sure 48,20). „Im Rechts-Islam steht der Gläubige als „Diener“ Allah zu fern, in der Mystik steht er ihm zu nah und verliert da seine Ich-Persönlichkeit“ (Wilhelm Maas). Im Paradies haben die Gläubigen keine Gemeinschaft mit Gott.

Im Christentum:
Es herrscht das Prinzip der Mannigfaltigkeit (Trinität: Gott-Vater: der „Grund des Seins“, die letzte Dimension; Gott-Sohn: die geschichtliche Dimension und der göttliche Geist: Leben, Liebe, Achtsamkeit, der Kosmos als Zuhause); in der Trinität mischt sich mystische Erfahrung (Tradition) mit griechischer Naturphilosophie. Gott ist der Herr, wird in Jesus Christus Mensch und tilgt im Tod Jesu (der 2. Adam) die Sünde der Welt (die durch den 1.Adam in die Welt kam). Er ist der Prototyp des Menschen und der Wirklichkeit, er vereinigt das scheinbar Unvereinbare: Geist und Materie. Gott hat die Attribute Liebe, und ist nicht nur Schöpfer dieser Welt, sondern auch Erlöser und Vollender. Gott ist der Eine in der Dynamik von der Liebe zwischen Vater und Sohn, den Heiligen Geist (Liebe) zeugend. Inkarnation, Tod und Auferstehung (Jesu Christi) beinhalten die Erfahrung, dass der Geist die wahre Wirklichkeit des Kosmos und dass die Materie Ausdruck des Geistigen im Körperlichen ist. Mit der Gottessohnschaft wird der Mensch zu mehr als einer Brücke von Himmel und Erde, er trägt das Göttliche in sich. Im Paradies haben die Gläubigen Gemeinschaft mit Gott. Es gibt kein dualistisches Weltbild mehr, sondern ein polares. Der Christ ist nicht nur in der Dualität mit den anderen, mit der Natur. Er ist analog zur Trinität nicht nur in einer Beziehung des Dialogs, sondern auch des Trialogs mit dem Ganzen, d. h. in Beziehung mit einem Ich, Du und Wir. Er lebt in der Trilogie der Bezogenheit. Im Christentum gibt es keinen reinen Monotheismus; es herrscht die Komplementarität von Schöpfer und Schöpfung, von Gott und Mensch. Der Mensch mit Jesus nimmt Teil an der Offenbarung und am Geheimnis der Trinität. Die Entwicklung/Evolution beinhaltet den Kreuzweg. Jeder ist am Mitwirken des Alphas und Omegas. Gott ist Liebe und Gerechtigkeit; es ist kein Gott der Ideen (platonischer Gott). Das Gesicht Gottes ist Gerechtigkeit; es ist die Menschheit und lässt sich am besten erblicken im Meister von Nazareth, der Programm ohne Zwang bleibt für die ganze Welt.

Offenbarung
Im Islam:
Mit Mohammed ist die Offenbarung abgeschlossen. Gott offenbart seinen Willen, nicht sich selbst, weil er unerkennbar bleibt. Gott sandte die Propheten Noah, Abraham, Moses, David, Salomo, Jesus und als letzten Mohammed. Durch den Erzengel Gabriel wurde der Wille Gottes offenbart, der Koran, der im 7. Himmel als „Mutter des Buches“ in Arabisch aufbewahrt ist (Roland Werner). Im Koran wird der Mensch mit gebieterischem Ton unterwiesen. Die Drohungen sollen Furcht bewirken, so dass der Mensch bereitwillig die göttlichen Gesetze einhält. Die Offenbarungen zu Medina sind die älteren, sie sind stärker von Toleranz geprägt. Die jüngeren Offenbarungen, die Mohammed in Mekka empfangen hat, zeugen von viel größerer Gewaltbereitschaft. Die Imame besitzen Bücher, die ihnen sagen, welche Sätze zur Medina- und zur Mekkaoffenbarung gehören. Im Zweifelsfall gilt immer die jüngere Offenbarung, was dazu führt, dass die Geistlichen sich meist nach den Sätzen richten, die von größerer Gewaltbereitschaft zeugen. Dem Laien ist die Unterscheidung beider Offenbarungen nicht möglich, da ihnen die entsprechenden entschlüsselnden Bücher nicht zugänglich sind. Auch soll der Koran nur auf Arabisch gelesen werden, weil Arabisch die Sprache Allahs ist und als unübersetzbar gilt. So ist nicht-arabisch sprechenden Muslimen der Zugang zum Koran meist verschlossen. Aber auch für arabischen muslimischen Laien ist der Inhalt des Korans häufig unbekannt bzw. es wird übernommen, was die Imame als koranische Lehren weitergeben.

Im Christentum:
Es verkündet eine Grundoffenbarung Gottes (Selbsthingabe Gottes) in der ganzen Schöpfung (sichtbare und unsichtbare Welt, Planung und Zweckmäßigkeit, Vielfältigkeit und Einheit), sowohl in der Natur wie in den Menschenseele, die Gottes „Bild“ widerspiegelt, eine Geschichtsoffenbarung im Verlauf der gottgelenkten Ereignisse der Welt (Geschichte als Entwicklung und als Vorbereitung für das Reich Gottes und geistige Mensch), und eine heilsgeschichtliche Offenbarung in dem Christusdrama, dessen Einzelakte die Inkarnation (Fleischwerdung), der Opfertod und die Auferstehung Christi bilden. Die Offenbarung geht weiter im Menschen und in der Welt in die Zukunft hinein durch den Heiligen Geist. Gott offenbart sich durch sein Handeln in der Geschichte. In Jesus Christus offenbart sich Gott selbst; in ihm kommt Gott zur Welt und versöhnt sich mit der Welt (Menschen). Jesus ist der Logos, d. h. Gottes letztes und eigentliches Wort (Hebräer 1, 1; Joh.1. Das Neue Testament (Bibel) ist inspiriertes Zeugnis der Selbst-Offenbahrung Gottes. Im Neuen Testament findet eine milde Belehrung statt.

Sünde
Im Islam:
„Keiner trägt die Last eines anderen“ (Sure 6,164). Es gibt keinen Sündenfall des Menschen. Der Mensch steht in Gefahr aufgrund seiner Schwachheit, Fehlentscheidungen zu treffen, die durch der „Rechtsweisung“ des Korans vermieden werden. Erlösung von der Sünde ist nicht notwendig. Die größte Sünde ist der Polytheismus.

Im Christentum:
Jeder trägt die Last des anderen. Durch die Versuchung des Menschen „wie Gott zu sein“, wurde der Mensch von der Gemeinschaft Gottes ausgeschlossen (Sündenfall Adams); dabei hat der Mensch die Selbstverantwortung erkämpft, das Ich wurde geboren… Jesus (der 2. Adam) erlöst die Menschen und versöhnt sie mit Gott. Die größte Sünde ist, sich von Gott abzuwenden.

Beziehung zu Gott
Im Islam:
Es herrscht die totale Trennung von Mensch und Gott. Beziehung zu Gott, dem Allmächtigen bedeutet Unterwerfung (Islam), Hingabe, bedingungslose Auslieferung. Es gibt keine Gemeinschaft mit Gott. Zwischen Gott und dem Menschen gibt es keine Beziehung der Liebe oder Partnerschaft. Es herrscht die reine Transzendenz Gottes.

Im Christentum:
Gemeinschaft zwischen Mensch und Gott. Beziehung zu Gott bedeutet Vertrauen (Glaube). Die Menschen sind Kinder Gottes. Die Beziehung ist ein Prozess des Begreifens und Ergriffenwerdens (Epheser 3,17-18). Gott liebt die Menschen, und es ist das höchste Gebot, Gott zu lieben. Im Christentum werden Immanenz und Transzendenz durchlässig.

Beziehung zu anderen Menschen

Mit dem Christentum erfolgte eine moralische Wendung in der Menschheit mit der Botschaft der unzertrennbaren Einheit von Gottes- und Nächstenliebe. „Es gibt kein Leid in der Welt, das uns gar nicht angeht“ (Metz). Für in der christlich-abendländischen Kultur aufgewachsene Menschen ist es schwer vorstellbar, dass Nächstenliebe als Wert nicht in jeder Religion enthalten ist. Dem Koran ist der Begriff der Nächstenliebe fremd. Es gibt nur die Solidarität mit Moslembrüdern und –Schwestern. Feindesliebe ist im Islam undenkbar. Ist der Feind (=Ungläubiger) nicht bereit, den islamischen Glauben anzunehmen, darf er laut koranischer Lehre getötet werden. Auch nehmen westliche Menschen an, dass alle Religionen Gewalt verurteilen. Nicht so der Islam. Sein Anfang war gewaltsam, und der Koran ruft zur Gewalt auf (wenn es auch Passagen der Toleranz und der Nachsichtigkeit gibt). Die älteren Suren des Korans sind toleranter und friedlicher; die jüngeren sind intoleranter. Für die Imame sind die jüngeren Suren des Korans maßgeblich. Intoleranz wird als Zeichen von Stärke und Männlichkeit betrachtet.

In der Geschichte des Christentums ist es zu erschreckenden Auswüchsen von Gewalt gekommen. Aus diesem Grund sehen viele Menschen hier kaum einen Unterschied zu der heute wahrnehmbaren islamischen Gewalttätigkeit. Doch es gibt einen großen Unterschied: während Jesus Gewaltlosigkeit predigte, die Christen später jedoch häufig Gewalt als Mittel zur Ausweitung des Glaubens benutzten, war Mohammed selbst gewalttätig mit seinen Raubzügen im Namen des Islam, die auch die Tötung und Versklavung von Menschen beinhalteten, wenn dies dem Islam diente. Gewalt war im Islam also von Anfang an legitim. In Christentum kann man Gewalt nicht rechtfertigen mit dem Neuen Testament, und dieses ist die Maßstab!

Gebet
Im Islam:
Das Gebet ist ein rituelles Gebet (5x am Tag), überall gleich (Salat). Wichtig ist die vorschriftsmäßige Durchführung des Gebets und der Gebetshaltungen. Er kennt auch das freie Gebet (dua). Der Muezzin ruft zum Gebet, zum Bekenntnis. Die Moschee ist kein heiliger, geweihter Ort wie etwa der katholische Kirchenraum. In der Moschee können Versammlungen, Unterricht usw. stattfinden.

Im Christentum:
Gebet ist meist ein persönliches Gespräch mit Gott, individuell oder in der Gemeinschaft: Lob, Anbetung, Dank, Fürbitte und Bitte um Vergebung, das im Verbindung mit dem Heiligen Geist ist. Das „Vaterunser“ wird in der ganzen Christenheit gebetet. Das Glockenläuten der Kirchen ruft zur Achtsamkeit auf, erinnert an die Gegenwart des Heiligen Geistes und verkündet zu bestimmten Zeiten den Beginn des Gottesdienstes.

Kunst

Die islamische Kunst negiert die Tiefe, bleibt beim Halbrelief und füllt die ganze Fläche aus aus Angst vor der Leere: Bedürfnis nach Gewissheit und Sicherheit. In der Architektur: der „Kielbogen“ strebt zwar auf, aber zieht bald wieder zur Erde hin. In der christlichen Gotik strebt man dagegen wesentlich stärker nach oben.

Lebensstil

Im Islam:
Das Leben des Muslimen wird im Alltag bis in die Einzelheiten bestimmt durch den Koran, den Vorschriften der Sunna (rechte Lehre) und die Hadith (Überlieferung über das Leben Mohammeds). Das Leben der Muslimen orientiert sich am Leben Mohammeds. Dieser war nicht nur Politiker und Prophet, sondern auch ein Krieger. Der Staat ist ein „Organismus der Religion“(Colpe) und alles ist Gottesdienst. Die Vorschrift, fünfmal am Tag zu bestimmten Zeiten zu beten, strukturiert den Tagesablauf, verstärkt einerseits die Unfreiheit des Gläubigen, andererseits ist diese Regel doch ein Ausdruck einer starken Spiritualität.

Im Christentum:
Die Christen orientieren sich am Leben Jesu. Im Geist Gottes kann er sein Leben verantwortlich gestalten. Bei Christen ist Arbeit und Gebet (ora et labora) eines. Das Leben wird als liturgischer Akt verstanden. Der Mensch ist Mitgestalter der Schöpfung. Dadurch wird Geschichte sehr ernst genommen. Als „Mitschöpfer“ ist der Mensch auch irdisch ausgerichtet im Gegensatz zum Islam, der alles Glück und alle Erfüllung im jenseitigen Paradies sucht. Der technologische Fortschritt ist eine Konsequenz dieses christlichen Gedankens. Während der Glaube an die Inlibration Gottes im Koran jede Interpretation erschwert, erlaubt die Inkarnation Gottes in Christentum mehr Spielraum für den Menschen.

Politik

Im Islam:

Für den Islam ist Gottes Wille und Gesetz unveränderlich und nicht dem Wandel historischer Bedingungen unterworfen. Vorherbestimmung, Soziale Tradition, Religion und soziales Gesetz sind natürliches Gesetz. An der Spitze des Gemeinwesens stehen der Prophet und das Recht Gottes. Gott ist der einzige Gesetzgeber. Die Menschen können nur das göttliche Recht auslegen. Der Staat ist ein „Organismus der Religion“ (Colpe) und alles ist Gottesdienst. Der Islam (politische Religion) kennt nicht die Trennung (Staat und Kirche) von Lebenssphären wie in Westen: die spirituelle, die soziale, die politische und die wirtschaftliche. Der Islam versteht sich als Korpus und definiert sich über Kultur und in der kulturellen Abgrenzung in der Sunna, während der Westen sich über die Individualität in der Offenheit der Selbstbestimmung definiert. Ein demokratisches Beratungsprinzip kann man aber von der Sure 42,38 ableiten: „Ihre Angelegenheiten sind in Beratungen untereinander zu erledigen“.

Im Christentum:
Kirche definiert sich als eine Art in der Welt zu sein, als Verbindungsglied zwischen den verschiedenen Arten des gesellschaftlichen Aufbaus. „Ihre Mission ist nicht politischer, ökonomischer oder sozialer, sondern religiöser Natur“. Gaudium et Spes. Die Christen haben auch eine andere Auffassung von Geschichte. Für Christen ist der Wandlungsprozess aufgrund der Fleischwerdung und Geschichtswerdung des Logos (Gott) und Lernweg in der Geschichte offen. Der Heilige Geist ist Gottes Fluss in Geschichte und Natur. Positive Gesetze ermöglichen eher das Wandeln. Im Geist Gottes kann der Mensch sein Leben verantwortlich gestalten. Gott wirkt und handelt in und durch den Menschen. Dem schöpferischen Ich im Christentum entspricht das intellektuelle Es im Arabismus. Die Gewissensfreiheit des einzelnen gegenüber jedem, auch kirchlicher Autorität gegenüber wurde schon bei Hl. Augustinus als letzte Instanz des Glaubens angesehen. Das kennt der Islam nicht, auch deswegen kennt er keine Trennung vom Staat und Kirche. Der moderne laizistische Staat in Europa gründet auf der christlichen Zwei-Reiche-Lehre. „Gebt Gott was Gottes ist und dem Kaiser was des Kaisers ist“. Religion kann aber nicht nur als Privatsache gesehen werden. Das Wertesystem des Islam ist aber, nach liberalem muslimischem Denken, in der nomadischen Clangesellschaft eingeschlossen. Eine individualistische Kultur der persönlichen Verantwortung steht einer Schamkultur gegenüber. So bezieht sich im Westen Respekt auf eine individuelle Leistung einer Person. In der nomadischen Gesellschaft bezieht sich Respekt auf ihre Religion und Gruppe. Scham ist nicht individuell, sondern entsteht durch ein „Versagen“ gegenüber der Gruppe. Man verliert das Gesicht, weil man der Gruppe Schande bereitet hat.

In früheren Jahrhunderten hat sich auch die Kirche in weltliche Dinge zu sehr eingemischt. Staat und Kirche waren damals sehr stark miteinander verbunden. Beide Religionen sind patriarchalisch organisiert.

Widerspruch zwischen Islam und westlicher demokratischer Auffassung

In der Theokratie ist an der Spitze des Gemeinwesens kein König, sondern Mohammed und das Recht Gottes. Der Staat ist ein „Organismus der Religion“. Gott ist der einzige Gesetzgeber. Die Menschen können nur das göttliche Recht auslegen. Demokratische Elemente sind möglich: „Ihre Angelegenheiten sind in Beratungen untereinander zu erledigen“ (Sure 42,38). Die harigiten (Charidschiten), frühere Anhänger von Ali behaupten: „Jeder gerechte und fromme Gläubige kann Kalif werden“. Hier gründet die „Dritte Universaltheorie“ Kaddafis (islamische Basisdemokratie).

Der Islamismus verlangt die Islamisierung von Staat und Gesellschaft, er meint, der „bessere Weg“, die bessere Alternative zu westlichen Demokratien und politischen Systemen des Ostens zu sein, da Fortschritt die Probleme nicht gelöst hat. Wir müssen aber zueinander finden. Wenn Religion zur Ideologie wird, kann man mit den Heiligen Büchern das Gegenteilige beweisen und das Wort Gottes in Widerspruch bringen, sei es in der Bibel oder im Koran. Der Koran sagt einerseits in der Sure 2,257 „es gibt keinen Zwang im Glauben“, andererseits gibt es die Todesstrafe für Abtrünnige in der Sure 4,91.

Dies ist ein ungleicher Kampf, weil in unserer säkularen Gesellschaft Religion als Privatsache betrachtet wird und für Moslems Gesellschaft und Glaube eins sind. Gleichgültigkeit auf der einen Seite und aktive Intoleranz auf der anderen fördern Reaktionäre im Westen. Es gibt keinen selbstkritischen Dialog, man sollte von einem „Entweder-Oder“ zum „Sowohl-als-auch“ kommen. Die Wahrheit bzw. Gott ist zu groß, um nur in einer Religion oder einer Kultur enthalten zu sein bzw. gefangen gehalten zu werden. Die Spuren Gottes sind überall zu finden. Es ist eine schon alte Erkenntnis: Wenn ich die Wahrheit besitze, werden die anderen zu Lügnern. Wenn ich meine Wahrheit als Teil der Wahrheit an sich betrachte, dann werden die anderen zu Brüdern und Schwestern. Wenn der Islam sich nicht von sich aus öffnet, wird er das tun müssen durch eine Revolution der Frauen. In Westen kann nicht nur der Glaube an die Wirtschaft und an die Macht des Stärkeren bestimmend sein. Es gibt auch ethische Forderungen des Islam im Koran (als Offenbarung Gottes), die zu Aggression oder Missdeutungen führen können:

– Gesetz der Vergeltung: Dieses Gesetz wurde früher geschaffen, um der primitiven Privatrache entgegen zu wirken, damit nicht nur das Recht des Stärkeren Geltung hat und um mehr Rechtssicherheit und Gleichheit zu schaffen. Die Gesetze müssen mit der Entwicklung des Menschen Schritt halten.

– Diskriminierung der Frau: Der Mann wird gegenüber Frauen und Kindern bevorzugt. Auch die erlaubte Polygamie des Mannes diskriminiert die Frau. Die Männer haben in den Familien die alleinige Verantwortung. Frauen dürfen nur reden oder sich in der Öffentlichkeit zeigen, wenn es ihnen die Männer erlauben.

– Der Heilige Krieg und die Stellung derer, die in der Verteidigung des Islams sterben und als Märtyrer gleich die besten Plätze im Paradies belegen.

– Das theokratische Verständnis von Staat: Auch die Scharia (= islamisches Recht) ist mit der Rechtsauffassung des westlichen Welt unvereinbar, weil im Westen Kulturrecht nicht über Menschenrecht gestellt werden kann. 1997 wurden In Saudi-Arabien 200 Menschen hingerichtet, weil sie vom Islam zu einer anderen Religion übertreten waren. Mord kann mit Tod vergolten werden (2,173); Ehebruch mit Auspeitschung oder Tod durch Steinigung (34,2), Diebstahl durch Handabhacken (5,42) oder Auspeitschung (2,116; 5,92).
– Die Intoleranz bei Mischehen mit Christen.

Obwohl die Türkei sich dem Westen einerseits annähern möchte (keine islamische Verfassung – Scharia), gibt es dort noch keine Religionsfreiheit, dort gibt es, z. B. nur 2 katholische Kirchen im Botschaftsgelände des Vatikans und Italiens, und ein einziger Priester ist für die Türkei zugelassen, obwohl jedes Jahr Hunderte von Imamen zur Betreuung der Moscheen in Deutschland kommen dürfen. Nach dem Gesetz wird christliches Missionieren mit 3 Jahren Haft bestraft (vgl. FAZ, 30.12.97). Atatürk hat aber die Türkei auf den Weg zur Moderne gebracht.

Der Islam erkennt keine Gegenseitigkeit in den Beziehungen zu Christen und Angehörigen anderer Religionen an. Rechte werden einseitig für sich selbst beansprucht, aber Christen oder Andersgläubigen nicht gewährt.

Die Muslime können, dazu beitragen, dass mit der Zeit diese große Kultur offener wird und das Individuum einen höheren Stellenwert bekommt. Der Westen muss vom Islam die Solidarität lernen, das „Wir“. Dadurch kann es zu einer weiteren Entwicklung kommen. Dichter, Frauen und Philosophen sollten im Islam mehr gehört werden. Das kann gesellschaftlich durch eine Art von Säkularisation, Mäßigung der Religion gegenüber den Menschen, liberalem Geist und Wertschätzung der Individualität geschehen.

Der Dialog zwischen christlicher und islamischer Welt gestaltet sich schwer, weil beide einen Absolutheitsanspruch erheben und der Islam die Weltherrschaft anstrebt. Für den Islam ist das Christentum nicht eine andere Religion, sondern dis falsche. Muslime unterstellen Christen, dass sie die Bibel verfälscht haben und Christen/Juden behaupten, dass die Muslime falsch abgeschrieben haben. Mohammed (vgl. Sure 4,171, Sure 5,116) kannte nicht die orthodox-authentisch-christliche Trinitätslehre und ging von einer häretischen Position aus, die im arabischen Raum herrschte, bei der Maria als Göttin angesehen wurde und die Lehre des Heiligen Geistes missverstanden wurde. Wilhelm Maas fragt sich: wie hätte sich Mohammed verhalten, wenn er die authentische Lehre des Christentums vor Augen gehabt hätte?

Der Dialog ist möglich auf der Basis des Monotheismus (Sure 4) und der Diakonie (Dienst am Mensch, Sure 5,48). S. H. Nasr erwähnt, dass sich jede Religion auf der Erde als die Abspiegelung eines Archetyps manifestiert. Dieser wird sicher von der Kultur tief geprägt, die ihrerseits von Landschaft und Wetter bestimmt wird. Die Kultur in ihrer anthropologischen und soziologischen Entwicklung schafft sich ein Bild von Gott, das seinerseits das Ich bestimmt. Der Gottesbegriff im Islam wird mehr gesehen als der Eine, der Wille und die Kraft, die fern vom Menschen sind (entsprechend dem Vatergott – die letzte Dimension der Wirklichkeit – im Christentum) und somit wird der Mensch zum Gottesanbeter (Homo religiosus) reduziert. Im Christentum bleiben der Homo faber, der Homo politicus und der Homo religiosus unabhängig voneinander entsprechend der Vision eines Gottes in der Trinität, wie es der Heilige Augustinus ausdrückt: „Gottvater ist der Wille und die Kraft der Gottheit, Gottsohn ist das Wort, der Intellekt des göttlichen Wesens, der Heilige Geist aber ist die Liebe, das Leben, das Universum, die Weltseele“. Wenn wir ein wenig mehr von Geographie und Geschichte wüssten, würden wir mehr Verständnis für die anderen und für die eigene Unzulänglichkeit haben. Gott ist nicht islamisch oder christlich, so wie der Mensch es nicht sein braucht, um heilig zu sein. Gott ist mehr als Gott, mehr als Allah, und der Mensch gibt sein Menschsein und seine Würde auf, wenn er sich auf das Dasein eines konkreten Gläubigen reduzieren lässt. Der religiöse Mensch braucht mehr Spiritualität und weniger Religion (spirituelle Tradition).

Die muslimischen Migranten werden zu einer Hypothek für die Zukunft Europas, da der Islam noch in Gegensatz zu den anderen Religionen eine politische Religion ist und die Menschen nicht nur religiös bindet sondern ganzheitlich. Scharia (islamisches Gesetz) und säkulares Grundgesetz sind ein Widerspruch an sich. Wenn sie dem Grundgesetz folgen statt der Scharia, dann werden sie zu Apostaten im Bewusstsein der Rechtgläubigen. Dieses Problem wurde in der Geschichte nicht wahrgenommen, solange die Moslems in den jeweiligen Gesellschaften nicht Mehrheit wurden. Wenn das geschieht, tauchen gleich separatistische Bewegungen auf und es entstehen Unabhängigkeitskämpfe, weil die Religion die Heimat ist und somit stärker als die Nation und die Scharia Bestandteil der Religion ist. Selbst Bassan Tibi sagt:“ In den Augen der Muslime besteht die Menschheit aus Kollektiven (das Idealkollektiv der Muslime und die die Kollektive der anderen als Feinde).“ Die Welt wird eingeteilt in „dar-el-islam“ Land des Islam oder „dar-el-arb“ (Land des Krieges).

Der Mensch ist der Religion überliefert, und als Individuum hat er kein Recht, sich mit positiven Rechten institutionell abzusichern, da es das Individuum als autonome Größe nicht gibt und es sich nur definiert durch die Gruppe. Diese kollektivistische Daseinsform, wo das Individuum nur im Gefüge der Gruppe eine Berechtigung hat, blendet bestimmte politische Kräfte aus, man wird dem Individuum aber nicht gerecht.

Selbstverständnis

Der Islam versteht sich als Korpus und definiert sich in der kulturellen Abgrenzung in der Sunna (Gemeinschaft). Im Christentum, definiert sich Kirche als eine Art in der Welt zu sein, als Verbindungsglied zwischen den verschiedenen Arten des gesellschaftlichen Aufbaus. In diesem Selbstverständnis und im Konzept über Gott widerspiegeln sich verschiedene Anthropologien und Soziologien, d. h. verschiedene Arten des Seins bzw. des Daseins und der Gesellschaftsformen.

Bei dieser Darstellung des Islam bezog bzw. beziehe ich mich auf die derzeitige Hauptströmung des Islam, die traditionell ist. Aleviten und eine bestimmte Richtung von Sufis sind darin nicht erfasst. Aleviten sehen im Koran, so wie er weitergegeben wurde, eine Verfälschung der Offenbarung. Sie werden von daher von traditionellen Moslems nicht als Moslems anerkannt. Aleviten und Sufis sind islamische Mystiker.

GEMEINSAMKEITEN VON ISLAM UND CHRISTENTUM

Islam wie Christentum begreifen sich als globale Religionen und fühlen sich nicht nur für ein Volk, sondern für die ganze Menschheit berufen (d. h. “katholisch“ = allumfassend zu sein). Beide stammen von Abraham ab (Gen 21). Abraham ist auch der Stammvater des Judentums in seinem Sohn Isaak, des Islam im Sohn Ismael und des Christentums in der Begegnung Abrahams mit den drei „Engel“ (Trinität). Gemeinsam: Glaube an einen Gott, an die Wiederauferstehung, an den Jüngsten Tag, an die Offenbarung Gottes…

Es gibt eine Entsprechung zwischen der Jungfrau Maria (Tabula Rasa, Unbeflecktheit) im Christentum und der Tabula Rasa Mohammeds (soll Analphabet gewesen sein – unbefleckt). Beide bekommen durch das unbefleckte Ohr den göttlichen Logos. „Im christlichen Sinne ist der Logos Mensch (Jesus-Christus) geworden, im islamischen Sinne ist er Buch (Koran) geworden. Dem Christentum ist der „inkarnierte Gotteswort“ (= Jesus Christus als fleischgewordener Gott) zu eigen, dem Islam das inlibrierte Gotteswort“ (der Koran ist das Buch gewordene Gotteswort). Die Anhänger des Koran heißen nicht Mohammedaner, sondern Muslime, weil der Mittelpunkt Gott ist, das gleiche gilt für die Anhänger des Evangeliums, die nicht Jesuaner (von Jesus), sondern Christen heißen, weil sein Leben sich auf das Göttliche (Christus) ausrichtet.

Die neuzeitliche Kultur konnte nur durch die Betonung des Rationalismus und des Intellekts entstehen, der über die Araber im Zusammenwirken mit der christlichen Sicht der Seele im Abendland entstand. Der Arabismus förderte unser modernes mathematisch-naturwissenschaftliches (abstrakt-mechanistisches, begriffsmäßiges) Denken, eine nüchterne, materialistische Betrachtung, in der die Phantasie keinen Platz für den Glauben übrig lässt: Vgl. die Akademie von Gondischapur, gegründet um 350 in Persien und ihr Einfluss auf den Moslem Averroes, der seinerseits die abendländisch-scholastische Theologie beeinflusste.

„Außer Allah nur Namen“ (Sure 12,40): Nominalismus (Denkform der modernen Naturwissenschaft: Begriffe sind nur Namen ohne dahinter stehende Wirklichkeit).

Religiöse Ideen müssen im Zusammenhang mit der gelebten Wirklichkeit der jeweiligen Gesellschaften wahrgenommen werden und dem Wettbewerb der Entwicklung des Menschen in den verschiedenen Kulturen offen stehen. Maßgebend für die Entwicklung einer Kultur sind ihre Visionen über Gott und konsequenterweise über den Menschen (als gelebte Wirklichkeit) in ihren Bilder (Mythen). Für das Selbstverständnis und die Entwicklung des Westens sind die Mythen von Adam und Eva entscheidend, wo durch den Ungehorsamkeit gegenüber Gott die Entwicklung der Spezies Mensch zu Individuen (Personen) durch die Wachheit der Frau ermöglicht wurde, parallel dazu der Mythos von Prometheus, der Mensch als Ebenbild Gottes im Judentum und als Gottessohn und Gott im Christentum und einer Art Weltformel in der Trinität, wo der Widerspruch zwischen Monotheismus und Polytheismus, zwischen Geist und Materie, Individuum und Gesellschaft aufgegeben werden.

Was den Menschen zur Entwicklung gebracht hat, war sein Ungehorsam gegenüber Gott ohne jedoch die Trennung zu vollziehen. Im Moment ist eher die Trennung ersichtlich und somit die Krisis unserer Kultur (Kultur kommt von Kult), der Mensch wird geopfert und verwaist.

Eine weitere Gemeinsamkeit von Islam und moderner westlicher Welt: während der Islam den Menschen als reines Objekt sieht und als reinen „Diener Gottes“ entseelt, versklavt der Westen seinerseits den Menschen zu einem reinen Objekt als Diener der Dinge, der Wirtschaft.

Ein neuer Humanismus tut Not, eine neue Ära, wo Vernunft und Glaube zu Momenten des gleichen Prozesses werden gegen Untergang und Obskurantismus, eine Ära des Ungehorsams gegenüber der Religion wie in der Vergangenheit der Ungehorsam gegenüber Gott, aber ohne die Trennung zu vollziehen, damit Utopien und Hoffnungen weiterhin ihren Ort in der Welt finden.

In der Gegenwart verkommt der Dialog zwischen Christentum (Westen) und Islam zur Schummelei gut gemeinter Menschen und Institutionen. Unterschiede können aber eine Gelegenheit für Selbstentfaltung und zur Selbsterkenntnis werden, so dass man feststellen kann, dass das, was uns trennt die eigene Angst ist und die Einseitigkeit, in der Gott/Allah und Gottesoffenbarungen als Mittel zum Zweck benutzt werden.

António da Cunha Duarte Justo, Theologe und Pädagoge, Ethik / Islam(1999)

http://antonio-justo.eu/

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WOHIN DEUTSCHLAND?

8. April 2010


Der Verrat am deutschen Idealismus
António Justo
Die Geschehnisse vom 9. November 89, die eine Chance für eine geistige Erneuerung darstellen, werden einseitig umgeleitet in Chancen für Wirtschaftlichen Profit. Deutschland verleugnet seine eigene geistige, idealistische Tradition, die auf dem Gedankengut Lessings, Goethe, usw. beruht. Die Krise des Kommunismus und Kapitalismus könnte neue Wege offnen. Ziel wäre eine Synthese. Eine Gesellschaft ohne Utopien und eine Politik ohne Moral entwickeln sich nicht mehr.

Die Verbindung des männlichen und weiblichen Elements

Am 9. November die Mauer fällt. Die Ereignisse in Berlin ähneln einer Hochzeitsfeier, bei der sich Mann und Frau in ihrer Verschiedenheit verbinden. Die Feier hatte kaum begonnen, da hörte man schon laute Stimmen von Berauschten, die im alten Stil die Szene beherrschten: „Sieg des Kapitalismus über den Sozialismus“, „Jesus lebt, Marx ist tot“, „Deutschland Deutschland“, „Westmark ist Freiheit“.

Das Geschehen ist nicht mehr die Sache der Brautleute, jetzt ist die Stunde der Hochzeitshändler, und diese sind interessiert an einer Bindung im alten Stil, wo der Man (Westen) der Herr ist und die Frau (Osten) eben das „Weib“ sein soll, Gegensätze anstatt Komplementarität.

Schlechter noch: sie wird entkleidet und zu Prostituierten gemacht, was sie akzeptiert ohne ihren Wert zu erkennen. Der gemeinsame Tempel wir entweiht und ähnelt einer Markthalle, in der die Profis des Marktes die Gunst der Stunde nutzen.

Materialistische Ausnutzung

Das Vakuum in der DDR wird eilig zugunsten parteipolitischer Interessen gebraucht, wobei der Verfassungsnationalismus als Fahrzeug benutzt wird, such wenn dies die Deutsche Einheit beeinträchtigt. Die notwendige konzentrierte Aktion aller Kräfte in der BRD wird von den Parteien abgelehnt, die ausschließlich materielle Probleme thematisieren. Sie zeigen einen Widerspruch zwischen Einigungsstreben und Handlungsstrategien. Parteipolitische Interessen überwiegen, so dass eine Maklerpolitik, die sich nur um das Geschäft und nicht um das Ganze kümmert, eingetreten ist und Ängste schürt.

Die gelähmte „Mittelschicht“ der DDR fühlt sich in einem ungleichen Wettbewerb mit dem Westen und spricht von Ausverkauf der DDR. Die EG hat Angst, einen ungezügelten Riesen an ihren Tisch zu bekommen; die USA möchte nicht ihre Vormachtstellung in der Welt zugunsten Europas abgeben und spricht mit den Siegermächten von der Destabilisierung Europas. Die Sowjetunion sieht im Hause Europas ihre Chance; die BRD stellt sich die Frage, wer die Karre Europas ziehen wird (Deutschland oder die Sowjetunion) und vertraut auf die Stärke und Anziehungskraft de D-Mark.

Dregger geht weiter: „Wie sind das Volk und das Land in der Mitte Europas“ und knüpft an die Bismarck’sche und Wilhelminische Tradition an, womit er die Treue zur Verfassung, was die Grenzen Deutschlands vor 1937 betrifft, nicht nur den Republikanern und Co. Überlassen will.

Viele Ausländer, die hier wie dort gemeinsam mit Deutschen auf die Strasse gingen mit der Forderung nach Freiheit und um mitzufeiern, bekommen langsam kalte Füße, weil da Zusammenwachsen beider Staaten zu einer Nation ohne die Ausländer geschehen soll. Sie spüren schon mehr Ungeduld ihnen gegenüber (trotz der traditionellen Gleichgültigkeit) in der deutschen Bevölkerung und auf Staatsebene beim Entwurf für das Ausländergesetz, das in nationalistischer Abwehr konzipiert wird. Die Verdrängung der Ausländer/innen ist schön spürbar. Was dann, wenn die Lohnabhängigen den Preis für die Vereinigung bezahlen müssen! Besorgniserregend ist das ausländerfeindliche Potential der DDR und der Gettobildung von Ausländern.

Viele Ausländer/innen und viele andere Kräfte haben mit der Überwindung der Trennung Deutschlands die Überwindung de inneren Mauern zwischen Deutschen und nicht Deutsche, und zwischen Ausländer und Ausländer erhofft, ebenso wie die Überwindung der Teilung Europas und der Welt. Die Politik aber setzt auf „Teile um zu herrschen“.

Geistige Tradition Deutschlands

Mit den deutschen Geschehnissen gäbe es die Chance, neue Impulse und alternativen für die Weltpolitik zu schaffen, die in einem positiven Sinn den Deutschen Stempel (Anknüpfung an die alte deutsche Kultur, deutsche Idealismus) tragen könnte.

Immer mehr zeigt sich die Hervorhebung des Materialismus und die Unterdrückung des Idealismus – letzterer ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Kultur – weil versucht wird, das Recht aus der äußerlichen Stärke und den Besitz abzuleiten, und damit wird die Kraft des Geistes verdrängt. Die Chance für eine neue Gesellschaft wird nicht wahrgenommen, weil nur die männlichen Werte zur Geltung kommen; ich würde sagen, gerade die Werte, die nicht eindeutig deutsch waren. Was wir vorfinden, ist die Zuspitzung des römischen Dogmatismus und Formalismus, des franzosischen Rationalismus und Sekularismus (Skeptizismus) und des englischen Pragmatismus. Vergessen wird gerade, was die deutsche Aufklärung vom Leibnitz, Lessing, Goethe, Schiller, Hegel, Heidegger, und Nietzsche für die Welt bedeutet hat, nämlich einen Versuch, ein höhere Synthese von Griechentum und Christentum zu schaffen, der eine Art Weltbürgertum als Ziel hat. (Vgl. mystisches Christentum, Trinität, Trialog statt Dialog…). Verrat an Deutschland!

Die Einheit Deutschlands soll nicht auf kosten ihres freien Menschentums geschehen, warnt uns Goethe, wen er sagt: „Zur Nation euch zu bilden, ihr hofft es, Deutsche vergebens; bildet, ihr könntet es, dafür freier zu Menschen euch aus“.

Synthese von Sozialismus und Kapitalismus

Die Novemberrevolution wird das nächste Jahrhundert bestimmen, das das Jahrhundert Europas sein wird. Das neue Zeitalter, in dem die Welt zusammenrückt, kann keine Ära des Nationalismus und der reinen Ideologien werden.

Der Osten kapituliert, der Westen krankt an Ideologien und Ethik und bietet wenig Zukunftsperspektiven (Armut, Ökologie, kein Recht auf arbeit, Sinnlosigkeit), es fehlt an geistige Anziehungskraft: unsere Philosophie versinkt zu Agnostizismus und Materialismus, Religiosität kehrt sich um in Götzendienerei; die persönliche Moral wird von Egoismus bestimmt und die soziale Moral von Interessen Gruppen diktiert.

Was bleibt? Die Praxis als Orientierung?!… hier wie dort mangelt es an der Realisierung hoher Ideen. Es mangelt an ein geistiges Dach. Der Sozialismus zeigte sich als Kind des Christentums in ihren Ursprung und Schicksal. Wie das Christentum scheint der Sozialismus nur als Idee existiere zu können, nicht als Praxis. Man konnte zusammenfassend sagen: die „SED“ verhält sich zum Kommunismus wie die CDU/CSU zum Christentum. Sie nutzen sie aus, und dadurch schaffen sie Enttäuschung und Verneinung des eigenen Selbstverständnisses.

Im Moment bewegt sich viel an der Oberfläche, das Rad einer echten Entwicklung steht aber still. Werte wie Freiheit werden als Glaube (abstrakte Gedanke) dargestellt und somit als reine wirtschaftliche und Marktfreiheit begriffen. Es wird vergessen, dass sich die Freiheit aus einem Leben der Erkenntnis ergibt. Eine neue Weltpolitik soll von Freiheit des Glaubens zur Freiheit der Gesinnung und Verantwortung in der Tat kommen.

In der Krise von Ost und West liegt viel Hoffnung und viele Chancen für die Entwicklung der Menschheit.

Dafür brauchen wir eine höhere Synthese von Kapitalismus und Sozialismus, besser gesagt, von „Östlichem“ und „Westlichem“. Dafür benötigen wir einen universellen Geist, eine ganzheitliche (übernationale) Gesinnung, die ihre Ansätze im Geist des deutschen Idealismus finden könnte.

Zwar hatte Deutschland bis Mitte des 19. Jahrhunderts einen geistig hohen Rang in der Welt, als die Identität und das Selbstverständnis dieser Kultur noch nicht von der Triebkraft des Blutes und des Bodens abgeleitet wurde.

In der heutigen Diskussion scheint man die Kraft vom Mythos des Goldenen Westens herzuleiten. Vergessen wird dabei die eigene Tradition. Deutschland scheint weiterhin gefesselt bleiben zu wollen…

António da Cunha Duarte Justo
Ehemalige Chefredakteur von Gemeinsam
In GEMEINSAM, Zeitschrift des Ausländerbeirats der Stadt Kassel, Nr. 6, März 1990
http://antonio-justo.eu/