Ost-Timor (TIMOR LORO SAE) – Intergründe

13. November 2010

Ost-Timor (TIMOR LORO SAE) – Intergründe

António Justo
R.
34134 Kassel
Tel.

HNA
Abt. Leserbriefe
Frankfurterstr. 168
34211 Kassel Kassel, den 30. 10. 96

Betreff: Ihr Artikel „Indonesien-Besuch: Milliarden-Verträge unterzeichnet“, bzw. Vorspann: „Nobelpreisträger sagte Treffen mit Kohl ab“, vom 29. 10. 96

Der ebenso mutige wie sanftmütige Friedensnobelpreisträger Bischof Carlos Ximenes Belo hat durch seine Absage an das Treffen mit Kohl in Indonesien der westlichen Welt eine Lektion erteilt. Carlos Belo war mein Kollege bei den Salesianern in Portugal. Von daher meine ich, seine Haltung zu kennen. Er weiß, daß das, was Bundeskanzler Kohl bewegt, wirtschaftliche Interessen sind und nicht die Verteidigung des bedrohten Volkes und der bedrohten Kultur Osttimors, geschweige denn eine gesamtheitliche Politik. Wäre er der Einladung Kohls in Indonesien gefolgt, würde dies bedeuten, daß Belo die indonesische Herrschaft über Osttimor anerkennt. Kohls „Einsatz“ für eine „friedliche … Lösung des Problems“ in Osttimor klingt ohne Überzeugung und pflichtgemäß, da ein Ansprechen dieses Themas von der Weltöffentlichkeit nun erwartet wurde.
Der Bischof kann nicht vergessen, wie die Welt es zuläßt, daß die indonesische Regierung bereits ein Viertel der ehemals 700.000 Bewohner Osttimors getötet hat. Die indonesischen Truppen mordeten wahllos Männer, Frauen und Kinder. Sie riegelten die Insel völlig von der Außenwelt ab, vernichteten die Ernten und verboten das Bestellen der Felder, um den Widerstand der Bevölkerung durch Hunger zu brechen. Die indonesische Regierung erstellte ein Programm zur zwangsweisen Sterilisierung der osttimoresischen Bevölkerung, errichtete Sammellager, verbannte die Hilfswerke von der Insel und versuchte, durch systematische Ansiedelung von moslemischen Indonesiern auf Osttimor auf lange Sicht die ethnisch und kulturell völlig sich von den Indonesiern unterscheidenden Einheimischen zur Minderheit im eigenen Land zu machen. Trotz aller Grausamkeiten konnten die indonesischen Militärs den Widerstand der Osttimoresen bis heute nicht brechen. Der Bischof weiß, daß die BRD der zweitwichtigste Waffenlieferant Indonesiens nach den USA ist und die Indonesier in der UNO unterstützt. Auf Betreiben der Bundesregierung wurde Osttimor 1986 von der „Schwarzen Liste“ der UNO-Menschenrechtskommission gestrichen, obwohl die UNO die Annexion Osttimors durch Indonesien nicht anerkennt und somit ausdrückt, daß die Invasion gegen das Völkerrecht verstößt.
Zusammen mit seinem Volk fühlt sich Bischof Belo sicher vergessen und verraten von der Weltgemeinschaft. Die Enttäuschung wird noch verstärkt durch die Tatsache, daß die Osttimoresen auf eine fast 500 Jahre alte christliche – also in den Wurzeln abendländische – Tradition zurückblicken können. Diese Tradition wird nun mit stillschweigender Einwilligung oder sogar Hilfe der westlichen Welt auf billige Weise vernichtet. In Osttimor betrachtete man den Westen aufgrund eben dieser Gemeinsamkeit mit freundschaftlichen Gefühlen, zumal die portugiesische Herrschaft in Osttimor vom 16 Jahrhundert bis 1975 keine Ursache zu Ressentiments gab. In der osttimoresischen Mythologie erschienen die Portugiesen sogar als Brüder. (Tatsächlich war Portugal das einzige westliche Land, das immer wieder versuchte, die Weltöffentlichkeit bezüglich des indonesischen Völkermords in Osttimor zu alarmieren, jedoch ohne Erfolg.)
Die Meinung, daß man auf „moralisierende“ Außenpolitik verzichten soll, weil unsere Interessen wirtschaftlicher Natur sind, ist kurzsichtig, inhuman und sägt auf dem eigenen Ast.
Es kann nicht sein, daß der Schmerz der anderen der Preis sein muß für unser Wohlergehen. Ökonomie, die die Augen verschließt vor Menschenrechtsverletzungen und Diktatur ist ein Verrat an der eigenen Kultur und bedeutet letztlich die eigene kulturelle Zersetzung.

Mit freundlichen Grüßen

António Justo


Hintergründe zum Völkermord in Ost-Timor (TIMOR LORO SAE)

Ost-Timor ist ein Volk, daß seit 25 Jahren der Willkür und Verfolgung Indonesiens ausgesetzt ist. Über 250.000 Menschen (ein Drittel der Gesamtbevölkerung) wurden bisher getötet bzw. in den Tod getrieben. Dies alles geschah unter der stillschweigenden Annahme der Weltöffentlichkeit, die die Augen davor verschloß. Die Welt akzeptiert offensichtlich, daß die religiös-kulturelle Einheit Indonesiens durch Repression und Durchsetzung des Islam als Einheits- und Identifikationsgrundlage geschaffen wird, wobei Indonesien früher sehr plural in seinen Ethnien und Anschauungen war.
Indonesische Truppen mordeten im Laufe der letzten Jahrzehnte wahllos Männer, Frauen und Kinder. Sie riegelten die Insel völlig von der Außenwelt ab, vernichteten die Ernten und verboten das Bestellen der Felder, um den Widerstand der Bevölkerung durch Hunger zu brechen. Sie benutzen timoresische Jugendliche als Schutzschilder. Die indonesische Regierung erstellte ein Programm zur zwangsweisen Sterilisierung der osttimoresischen Bevölkerung, errichtete Sammellager, verbannte die Hilfswerke von der Insel und versuchte, durch systematische Ansiedelung von moslemischen Indonesiern auf Ost-Timor auf lange Sicht die ethnisch und kulturell völlig sich von den Indonesiern unterscheidenden Einheimischen zur Minderheit im eigenen Land zu machen.
Dem Druck von seiten des indonesischen Staates hat sich Ost-Timor, das überwiegend von Christen und Animisten bewohnt wird, früher wie auch jetzt nicht gebeugt. Indonesien stimmte trotz seines Terrors und der Einschüchterungen dem Volksentscheid über den Status Ost-Timor zu unter Beobachtung der UNO. Ost-Timor vertraute dabei auf die UNO. Das osttimoresische Volk hat mit 78,5 % trotz massiven Widerstands Indonesiens für die Unabhängigkeit gestimmt. Daraufhin kamen mehr indonesische Soldaten ins Land und rächten sich mit ihren alliierten Milizen. Die Hauptstadt Dili wurde angezündet und geplündert. Jetzt gleicht sie einer Geisterstadt. Die Menschen wurden zu Tausenden getötet und in die Berge getrieben, um dort zu sterben oder nach Ost-Indonesien deportiert zu werden.
Beobachter der UNO sprachen von einer „Hölle auf Erden“ und verliessen das Land. Mögliche internationale Zeugen mussten das Land verlassen. Das Volk wurde nochmals verraten und der Soldateska Indonesiens überlassen.

Die „wohlmeinende“ Welt, die UNO und westliche Staaten unterjochen sich dem Willen Indonesiens, obwohl Indonesien 1975 unrechtmäßig Ost-Timor okkupiert hat und sich schlimmer als die Serben im Kosovo verhält. Im Moment sind ca. 200.000 Menschen auf der Flucht, 400.000 wurden ausgesiedelt. Volk, Priester und Nonnen werden entführt und getötet, Kirchen und kirchliche Institutionen geplündert und in Brand gesetzt. Schätzungsweise 7.000 – 20.000 Menschen wurden in den letzten Tagen getötet.

Die Reaktion des Westens
Wo war die UNO die ganze Zeit geblieben? Wo sind diejenigen, die sich auf Menschlichkeit berufen? Deutschland und die anderen westlichen Länder sind nur an der Ökonomie interessiert. Es ist unglaublich, daß Außenminister Joschka Fischer sagt, man solle „Indonesien nicht destabilisieren“. Durch diese Äußerung rechtfertigt er den Völkermord auf Ost-Timor.
Es ist zynisch, der Besatzungsmacht alles zu überlassen und zur Gewissensberuhigung der indonesischen Regierung vorschnell Glauben zu schenken. Die Hunderttausenden von Toten waren nur möglich durch ein solches heuchlerisches Verhalten. Der Westen und besonders Deutschland macht sich zum Komplizen an der Vernichtung der Ost-Timoresen und ihrer Kultur. (Dasselbe Verhalten zeigte der Westen während des 1. Weltkriegs gegenüber dem Völkermord – 2 Mill. Menschen – an den Armeniern.) Der Westen sollte sich davor hüten, dem trickreichen Einlenkungs-Gebaren der indonesischen Regierung Glauben zu schenken, auf das der Westen immer wieder hereingefallen ist.
Das Volk von Ost-Timor fühlt sich vergessen und verraten von der Weltgemeinschaft, obwohl es aufgrund seiner Kultur dem Westen zugetan ist.

Warum das deutsche bzw. westliche Desinteresse am Völkermord Timors durch Indonesien?

Indonesien wurde 1945 unabhängig und versucht seitdem, mit Unterdrückung und autoritärer Repression die Einheit der Völker im Lande und eine Identität mittels Islam zu schaffen. Damals waren im Lande 61 Völker, 360 Ethnien und 250 Sprachen. Es wurde auf künstliche Weise die indonesische Sprache geschaffen für ganz Indonesien. Indonesien hat ein Ministerium für Transmigrationen, das Umsiedlungspolitik treibt und angesetzt wird, um einheitlichere Ethnien oder menschliche Biotope zu zerstören. Nach der Okkupation Timors durch Indonesien 1975 wurde die Umsiedlungspolitik angewandt durch Ansiedlung von moslemischen Siedlern in einem Gebiet, das während 450 Jahren Kolonie Portugals war und mit seinem Volk von 100 Ethnien mehrheitlich christlich war.
Nach außen hausiert Indonesien mit dem Slogan „Einheit in der Vielfältigkeit“, nach innen praktiziert es Unterdrückung der Ethnien, besonders der sogenannten „Gottlosen“ im Sinne des Islam, d. h. derjenigen, die keiner Buchreligion angehören. Die Unterdrückung anderer Religionen und die Förderung des Islam als Identitätsfaktor für das Land wurde mit allen Mitteln gefördert. So kann man die ungeheure Entwicklung des Islam im Lande erklären. Die Ausrottung von Kulturen und Ethnien in Indonesien wird in Kauf genommen.
Während des Kalten Krieges war es die Strategie des Westens, in Südostasien ein Gegengewicht gegen China zu schaffen. Indonesien bekam freie Hand und wurde Mitglied der Blockfreien. Somit konnte es unbeobachtet brutal gegen verschiedene Völker im Lande eingreifen und seit 1975 in Timor Loro Sae mit die schrecklichsten Menschenrechtsverletzungen dieses Jahrhunderts praktizieren. Indonesien schuf dort die höchste Arbeitslosenrate (70%) und die höchste Sterblichkeitsrate der Welt.

Die ASIAN Staaten haben sich auch als atomfreie Zone deklariert. Indonesien ist ein kleiner „Tiger“ der Region mit dem größten Zuwachs an Waffen und einer starken regelmäßigen militärischen Steigerung, obwohl es keine natürlichen Feinde hat.
Indonesien ist ein starker Handelspartner Deutschlands. (1997 exportierte Deutschland 5,2 Milliarden Mark dorthin.) Deutschland sendet U-Boote, Tanker, Panzer. 1996 war das Resümee der vergangenen 10 Jahre 600 Ausfuhren an Rüstung nach Indonesien. Die BRD ist der zweitwichtigste Waffenlieferant Indonesiens nach den USA und unterstützte die Indonesier in der UNO. Auf Betreiben der Bundesregierung wurde Ost-Timor 1986 von der „Schwarzen Liste“ der UNO-Menschenrechtskommission gestrichen, obwohl die UNO die Annexion Ost-Timors durch Indonesien nicht anerkennt und somit ausdrückt, daß die Invasion gegen das Völkerrecht verstößt.
Indonesien ist der NATO gleichgestellt, was den Waffenexport betrifft. Deutsche Panzer wurden in Timor bei Massakern gegen die ungeschützte Zivilbevölkerung eingesetzt. Indonesische Offiziere werden in Deutschland ausgebildet (letztes bekanntes Beispiel der Schwiegersohn von Suharto). Im September 98 wurde bekannt, daß die deutsche Bundeswehr anstrebt, die indonesischen Militärs zu einer starken Streitkraft zu machen.
Die Friedensbewegung in Deutschland ist gelähmt. Sie scheint sich zu bürokratisieren und es scheint ihre Strategie zu sein, sich als Vermittler aufbauen zu wollen zwischen streitenden Parteien. Ihr Schicksal scheint an das der Grünen gebunden zu sein.
Ein anderer Aspekt, der das Desinteresse an den Massakern in Timor erklärt, ist die Ideologie der 68er, die im Islam die Religion der Unterdrückten sah und das Christentum als Religion der Kolonisatoren.
Die Doppelmoral in der Unterstützung des Kosovo und der Ignorierung von Timor zeigt deutlich, daß nur wirtschaftliche Interessen als Kriterium des Engagements gelten.

Die Meinung, daß man auf „moralisierende“ Außenpolitik verzichten soll, weil unsere Interessen wirtschaftlicher Natur sind, ist kurzsichtig, inhuman und sägt auf dem eigenen Ast.
Es kann nicht sein, daß der Schmerz der anderen der Preis sein muß für unser Wohlergehen. Ökonomie, die die Augen verschließt vor Menschenrechtsverletzungen und Diktatur ist ein Verrat an der eigenen Kultur und bedeutet letztlich die eigene kulturelle Zersetzung.


Aufruf zu Hilfestellung

Die Politiker werden aufgerufen, alles zu tun, damit der Wille des Volkes, nach Unabhängigkeit in Erfüllung geht. Es müssen verstärkt Blauhelme entsandt werden. Internationale Organisationen müssen unverzüglich mit entsprechender Unterstützung ins Land kommen, ansonsten wird es mehr Tote durch Hunger geben als durch Mord. Auch das Morden wird andernfalls kein Ende nehmen. Was 25 Jahre lang zerstört wurde, muß wieder aufgebaut werden. Die indonesischen Militärs und ihre Komplizen im Land müssen wegen Menschenrechtsverletzungen beim internationalen Gerichtshof angeklagt werden. Die Zusammenarbeit mit dem indonesischen Militär würde wieder Destabilisierung bedeuten. Das Ergebnis der Volksabstimmung muß respektiert werden. Wenn nicht schnell gehandelt wird, werden die Indonesier weiter versuchen, das Wahlergebnis durch Ausrottung, Umsiedlung und Vertreibung des Volkes rückgängig zu machen. Wen wir der Intoleranz den Rechtsanspruch zugestehen, toleriert zu werden, dann zestören wir die Toleranz und den Rechtsstaat.

(António Justo)
September 1999

Völkermord in Ost-Timor (TIMOR LORO SAE)

Die Rolle des Westens bzw. Deutschlands

Indonesien, mit einer Bevölkerung von 210 Millionen Einwohnern verteilt auf 9.000 Inseln, wurde 1945 unabhängig und versucht seitdem, mit Unterdrückung und autoritärer Repression die Einheit der Völker im Lande und eine Identität mittels Islam zu schaffen. Damals waren im Lande 61 Völker, 360 Ethnien und 250 Sprachen. Es wurde auf künstliche Weise die indonesische Sprache geschaffen für ganz Indonesien. Indonesien hat ein Ministerium für Transmigrationen, das Umsiedlungspolitik treibt und angesetzt wird, um einheitlichere Ethnien oder menschliche Biotope zu zerstören. Nach der Okkupation Timors durch Indonesien 1975 wurde die Umsiedlungspolitik angewandt durch Ansiedlung von moslemischen Siedlern in einem Gebiet, das während 450 Jahren Kolonie Portugals war und mit seinem Volk von 100 Ethnien zu 35% christlich war. „Der indonesische Islamismus trug dazu bei, daß die osttimoresische Bevölkerung innerhalb weniger Jahre zu 80% katholisch wurde“( Xanana Gusmão).
Während des Kalten Krieges war es die Strategie des Westens, in Südostasien ein Gegengewicht gegen China zu schaffen. Indonesien bekam freie Hand und wurde Mitglied der Blockfreien. Somit konnte es unbeobachtet brutal gegen verschiedene Völker im Lande eingreifen und seit 1975 in Timor Loro Sae mit die schrecklichsten Menschenrechtsverletzungen dieses Jahrhunderts praktizieren. Indonesien schuf dort die höchste Arbeitslosenrate (70%) und die höchste Sterblichkeitsrate der Welt.
Die ASIAN Staaten haben sich auch als atomfreie Zone deklariert. Indonesien ist ein kleiner „Tiger“ der Region mit dem größten Zuwachs an Waffen und einer starken regelmäßigen militärischen Steigerung, obwohl es keine natürlichen Feinde hat.
Indonesien ist ein starker Handelspartner Deutschlands. (1997 exportierte Deutschland 5,2 Milliarden Mark dorthin.) Deutschland sendet U-Boote, Tanker, Panzer. 1996 war das Resümee der vergangenen 10 Jahre 600 Ausfuhren an Rüstung nach Indonesien. Die BRD ist der zweitwichtigste Waffenlieferant Indonesiens nach den USA und unterstützte die Indonesier in der UNO. Die Deutschen sind dort sehr engagiert in der Industrie (Metall: Preusak). Autoindustrie (Deutsche Ford), sowie im Flugzeugbau und anderem. Auf Betreiben der Bundesregierung wurde Ost-Timor 1986 von der „Schwarzen Liste“ der UNO-Menschenrechtskommission gestrichen, obwohl die UNO die Annexion Ost-Timors durch Indonesien nicht anerkennt und somit ausdrückt, daß die Invasion gegen das Völkerrecht verstößt. Junge timoresische Demonstranten, die auf die Massaker in Timor mit Transparenten aufmerksam machen wollten und in den Geländen der Botschaften Deutschlands und Frankreichs eindrangen, wurden der indonesischen Polizei übergeben. Andere Botschaften schickten sie nach Portugal, wo sie Asyl bekamen.
Indonesien ist der NATO gleichgestellt, was den Waffenexport betrifft. Deutsche Panzer wurden in Timor bei Massakern gegen die ungeschützte Zivilbevölkerung eingesetzt (nach australischer Journalistendokumentation). Indonesische Offiziere werden in Deutschland ausgebildet (letztes bekanntes Beispiel der Schwiegersohn von Suharto). Im September 98 wurde bekannt, daß die deutsche Bundeswehr anstrebt, die indonesischen Militärs zu einer starken Streitkraft zu machen.
Von der Friedensbewegung in Deutschland ist bezüglich Ost-Timor nichts zu erwarten, sie ist gelähmt, ohne Leben und Überzeugung. Sie scheint sich zu bürokratisieren und es scheint ihre Strategie zu sein, sich als Vermittler aufbauen zu wollen zwischen streitenden Parteien. Ihr Schicksal scheint an das der Grünen gebunden zu sein.
Ein anderer Aspekt, der das Desinteresse an den Massakern in Timor erklärt, ist die Ideologie der 68er, die im Islam die Religion der Unterdrückten sah und das Christentum als Religion der Kolonisatoren.
Einerseits sind die deutschen Massenmedien geneigt, normalerweise auf dem Standard des deutschen Durchschnittsbürgers zu informieren unter einer ökonomischen Perspektive nationaler Prägung und auf der Basis einer utilitaristischen Ethik. Andererseits erhofft die Regierung eine neue Rolle in der Übernahme von Verantwortung in der Welt (z.B.: Mitglied der Sicherheitsrat in der UNO), ist aber gefangen in der gleichen Weltanschauung und entscheidet sich nicht rechtzeitig, sondern zögert in der konkreten Hilfe und hinkt hinter anderen Nationen und hinter den Geschehnissen her. Hier liegt der Widerspruch Deutschlands zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Die Übernahme von Verantwortung verlangt Fähigkeit und Einsatzwillen in einer Perspektive, die über Deutschland hinausgeht, natürlich ohne die Interessen Deutschlands zu verletzen.
Inmitten diesen ganzen Spagats hausiert Indonesien nach außen mit dem Slogan „Einheit in der Vielfältigkeit“, nach innen praktiziert es Unterdrückung der Ethnien, besonders der sogenannten „Gottlosen“ im Sinne des Islam, d. h. derjenigen, die keiner Buchreligion angehören. Die Unterdrückung anderer Religionen und die Förderung des Islam als Identitätsfaktor für das Land wurde mit allen Mitteln gefördert. So kann man die ungeheure Entwicklung des Islam im Lande erklären. Die Ausrottung von Kulturen und Ethnien in Indonesien wird in Kauf genommen. Aus ersichtlichen Gründen ist der Westen nicht daran interessiert zu beobachten, was geschieht und schenkt willig den schwindlerischen Erklärungen Indonesiens Glauben.
Die Doppelmoral in der Unterstützung des Kosovo und der Ignorierung von Timor zeigt deutlich, daß nur wirtschaftliche Interessen als Kriterium des Engagements gelten. Rührend ist die Behauptung unseres Außenministers Fischer mit seiner anfänglichen Sorge „man solle Indonesien nicht destabilisieren“. Der Westen und besonders Deutschland macht sich zum Komplizen an der Vernichtung der Ost-Timoresen und ihrer Kultur. (Dasselbe Verhalten zeigte der Westen während des 1. Weltkriegs gegenüber dem Völkermord an den Armeniern 2 Mill. Menschen.)
Die Meinung, daß man auf „moralisierende“ Außenpolitik verzichten soll, weil unsere Interessen wirtschaftlicher Natur sind, ist kurzsichtig, inhuman und sägt auf dem eigenen Ast.
Es kann nicht sein, daß der Schmerz der anderen der Preis sein muß für unser Wohlergehen. Eine Ökonomie, die die Augen verschließt vor Menschenrechtsverletzungen und Diktatur ist ein Verrat an der eigenen Kultur und bedeutet letztlich die eigene kulturelle Zersetzung. Sie kann nicht für sich den Respekt vor den humanen Werten in Anspruch nehmen und universale Verantwortung übernehmen. Wenn wir dem Recht auf Intoleranz freien Raum geben, zestören wir die Toleranz und die Grundlage jedes Rechtsstaates, wie wir es am Beispiel der Weimarer Republik gesehen haben.

Die Invasion Timors durch Indonesien

Ost-Timor ist eine ehemalige portugiesische Kolonie, die von Indonesien 1975 überfallen würde. Seit 25 Jahren ist sie der Willkür und Verfolgung Indonesiens ausgesetzt. Über 250.000 Menschen (ein Drittel der Gesamtbevölkerung, so daß es sich prozentual um den zweitgrößten Völkermord des Jahrhunderts handelt) wurden bisher getötet bzw. in den Tod getrieben. Indonesische Truppen und ihre Milizen mordeten wahllos Männer, Frauen und Kinder. Sie riegelten die Insel völlig von der Außenwelt ab, vernichteten die Ernten und verboten das Bestellen der Felder, um den Widerstand der Bevölkerung durch Hunger zu brechen. Sie benutzen timoresische Jugendliche als Schutzschilder. Die indonesische Regierung erstellte ein Programm zur zwangsweisen Sterilisierung der osttimoresischen Bevölkerung, errichtete Sammellager und verbannte die Hilfswerke von der Insel.
Ein großer Teil der Bevölkerung floh in die Berge. Im September 1978 töteten indonesische Soldaten im Massaker von Fatumaka ca. 5.000 Menschen, nachdem sie viele Frauen vor ihren Familien vergewaltigt hatten. 1979 versprachen die indonesischen Behörden eine Amnestie für diejenigen, die kapitulieren würden. Viele verließen ihre Verstecke. Daraufhin töteten die Besatzer 10.000 Zivilisten und Mitglieder der FRETILIN. (Die FRETILIN – Revolutionäre Front für ein unabhängiges Osttimor – wurde zum Ausdruck eines Volkes, das nach Menschenrechten und Freiheit schreit.) Trotz der Unterdrückung und der indonesischen Mühe um Bau von Straßen – zwecks besserer Kontrolle – im Innenland, kann die indonesische Regierung den Widerstand des Volkes nicht brechen. In März 1983 vereinbarte die Regierung Indonesiens einen Waffenstillstand mit der FRETILIN, aber gleich im August wurde die Insel von 35.000 indonesischen Soldaten angegriffen. Der Insel wurde abgeriegelt, damit der Terror und die Barbarei nicht nach außen dringt. Ximenes Belo, seit 1983 Bischof von Dilli sagte damals: „Die indonesische Soldateska raubt unsere Freiheit, zestört unsere Kultur und behandelt uns wie räudige Hunde. Justiz ist für sie ein Fremdwort. Die Indonesier behandeln uns wie Sklaven…In Timor gibt einen Scheinfrieden nur auf der Oberfläche, in der Tat herrscht Panik. Überall sind indonesische Polizisten und Soldaten, die Tag und Nacht und überall willkürliche Gefangennahmen machen… Sie können foltern und töten, weil nichts nach außen dringt. Jeden Tag hören wir von neuen Verschwundenen… Wenn es auf der Insel Frieden gäbe, wie Indonesien behauptet, warum erlauben sie nicht ausländischen Journalisten ins Land zu kommen? Wir erwarten eine friedliche und demokratische Lösung für Timor“.
1991, als Timoresen sich auf den Friedhof von Santa Cruz in Dilli versammelten, um für zwei durch indonesische Soldaten Ermordete zu beten und friedlich zu protestieren, eröffneten die Soldaten das Feuer über die Menge und töteten 500 Timoresen. Xanana Gusmão, der timoresische Mandela, Chef des Widerstandes wurde 1992 gefangen genommen.

Eine Neue Ära?

Die Benennung von Ximenes Belo und Ramos Horta 1996 als Friedensnobelpreisträger brachte die Angelegenheit Ost-Timors auf der internationale Bühne. Im August 1999 stimmten in einem Referendum unter der Beobachtung der UNO, an dem 98,6% der Osttimoresen teilgenommen haben, 78,5% für die Unabhängigkeit von Indonesien.
Sei dem 4. September verübten die Millizen mit der Unterstüzung der indonesischen Soldaten, große Grausamkeiten: Sie töteten in den ersten Tagen 20.000 Menschen, 60.000 sind deportiert. Dilli wurde zestört und geplündert, humanitäre Organisationen, Journalisten und UNO-Beobachter werden ausgewiesen, Schulen, Kirchen und das Internationale Rotes Kreuz wurden zerstört, Priester und Nonnen wurden umgebracht.
Beobachter der UNO sprachen von einer „Hölle auf Erden“ und verließen das Land. Mögliche internationale Zeugen mußten wiederum das Land verlassen. Das Volk wurde nochmals verraten und der Soldateska Indonesiens überlassen.
Die „wohlmeinende“ Welt, die UNO und westliche Staaten unterwarfen sich dem Willen Indonesiens und dem eigenen Profit, obwohl Indonesien 1975 unrechtmäßig Ost-Timor okkupiert hat und sich schlimmer als die Serben im Kosovo verhält. Die Menschlichkeit, die anscheinend Deutschland gegenüber dem Kosovo so bewegt hat, scheint abhanden gekommen zu sein.
Das zukünftige Los Ost-Timors liegt in unseren Händen. Wiedergutmachung ist möglich.

(António da Cunha Duarte Justo)
Oktober 1999

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Ausländerbeiratswahlen – „Der Mix stimmt nicht“

9. November 2010

Der türkische Unternehmer Kerim Parlatan beschreibt in HNA mit Objektivität den Ausländerbeirat (AB) als reine Interessenvertretung von Vereinen, wobei auch „der Mix nicht stimmt“. Faktisch hat der AB keine Verwurzelung in der ausländischen Bevölkerung, deren Integration und Anliegen ihm gleichgültig ist. Er ist eine Interessenvertretung von Vereinen weniger Nationen, und die erdrückende Mehrheit besteht aus Mitgliedern von Moscheen.
Mit der Abschaffung des Minderheitenschutzes für kleine Nationen seit 1992 wurde der AB zu einem Moscheenbeirat. Faktisch kann man die kleine Gruppe von Mitgliedern, die nicht Türken oder Nicht-Muslime sind, als Zierde betrachten.
Der AB sollte zur Brücke werden, anstatt nur als Abschirmung von traditionalistischen Vereinen zu fungieren. Die Abschirmung der Traditionen in nach außen geschlossenen Familien und Vereinen dient nur denen, die das Geschäft mit den Ausländern machen. Personen, die sich im Beirat praktisch für Integration einsetzen, wie Dogan Aydin, sind wie Rufer in der Wüste.
Mit der Zweideutigkeit lässt sich gut leben. Wo liegt der Beitrag von AB und Lehrern des muttersprachlichen Unterrichts für die echte Integration der Kinder? Kinder und Jugendliche, die die Ketten der Familien und der Umwelt sprengen wollen, bekommen keine Hilfe. Und die deutsche Öffentlichkeit lässt sich gerne täuschen von dem Pingpongspiel zwischen Vereinen und Institutionen, die nur den status quo erhalten wollen und denen die Zukunft der jüngeren Generation in ihren Bahnen sehen.

António da Cunha Duarte Justo
Ehemaliger Sprecher des AB


Jedes zweite Schulkind geht zur Therapie

9. November 2010

“Jedes zweite Schulkind geht zur Therapie”

Der Besuch einer Therapie von jedem zweiten Schulkind in Hessen und die Tatsache des übertriebenen Bildschirmkonsums ist alarmierend. Ein Ich kann sich nur in der Beziehung zu einem Du gesund entwickeln. Unsere Gesellschaft hat auf ökonomischer, politischer und kultureller Ebene keinen Platz für Kinder und Familie vorgesehen. Sie folgt immer mehr dem Modell von Sparta. Sie fordert und fördert übertrieben den Kopf auf Kosten der emotionellen und spielerischen Bereiche, fast ausschließlich in Richtung Leistung und Produktion. Die Eltern, die selber im Arbeitsleben unter Stress leiden, geben diesen weiter. Das Kind kompensiert seine Verlassenheit durch das Fernsehen und hat nicht einmal ein Tier, durch das es einen Ausgleich im emotionalen Bereich finden könnte. Der Naturwissenschaftler Ernst Peter Fischer sagt: „Leistung hat auf keinen Fall etwas in der Schule zu suchen. Es ist für Schüler nicht wichtig, etwas zu leisten. Es ist nur wichtig, dass die verstehen, wofür es sich lohnt, etwas zu leisten.“ Eine kranke Gesellschaft, die keine sinnstiftenden Ziele hat, macht die Kinder krank.
Die Schulen müssen auf diese neue Situation Antwort geben. Ein Schritt in der richtigen Richtung wäre die Einführung von zwei Pflichtstunden Theaterunterricht im Stundenplan aller Schulen.
Die Entwicklung nicht nur rationaler, sondern auch emotionaler Intelligenz als Ausgleich verlangt mehr Unterricht im musischen Bereich: Malerei, Gesang, Musik, Tanz und Theater.

Wer das nicht erkennt, muss später das Unterlassene teuer bezahlen in Therapien und in der Abwehr von Kriminalität!

António da Cunha Duarte Justo